Zum Inhalt springen
Verinorm
Qualitätsmanagement

AQAP 2110, 2210 und 2310: Welche AQAP-Norm gilt für Ihr Unternehmen? (Teil 2)

AQAP 2110, 2210 oder 2310: Welche Norm im Vertrag steht, entscheidet über den Aufwand. Teil 2 der AQAP-Serie stellt die wichtigsten Allied Quality Assurance Publications vor und erklärt Qualitätspläne, Konfigurationsmanagement und die staatliche Qualitätssicherung (GQA).

Aydogan Domurcuk· Geschäftsführer und Berater9 Min. Lesezeit
Inhaltsverzeichnis
  1. Welche AQAP-Normen gibt es?
  2. AQAP 2110: Was fordert die Norm für Entwicklung und Produktion?
  3. AQAP 2210: Was gilt für die Softwareentwicklung?
  4. AQAP 2310: Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung
  5. Was ist ein Qualitätsplan nach AQAP?
  6. Konfigurationsmanagement: Was geht über Dokumentenlenkung hinaus?
  7. Government Quality Assurance (GQA): Wer prüft was?
  8. Welche Unternehmen profitieren von AQAP?
  9. Warum lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung auf AQAP?
Zerspanung eines Metallbauteils in der Fertigung

Welche AQAP-Normen gibt es?

Die wichtigsten AQAP-Normen sind AQAP 2110 (Entwicklung, Konstruktion und Produktion), AQAP 2210 (Software), AQAP 2310 (Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung), AQAP 2105 (Qualitätspläne), AQAP 2070 (Konfigurationsmanagement) und AQAP 4107 (gegenseitige staatliche Qualitätssicherung). Welche davon gilt, steht nicht in der Norm, sondern im Vertrag oder in der Ausschreibung.

In Teil 1 unserer Serie ging es um die Grundlagen. Jetzt geht es um die einzelnen Dokumente.

Viele Unternehmen suchen nach „der AQAP-Norm“. Die gibt es nicht. Es gibt eine ganze Reihe von Allied Quality Assurance Publications aus der NATO-Standardisierung, je nach Produkt, Projekt und Auftraggeber.

AQAP-DokumentAnwendungsbereich
AQAP 2110Qualitätsanforderungen für Entwicklung, Konstruktion und Produktion
AQAP 2210Qualitätsanforderungen für softwarebezogene Produkte
AQAP 2310Qualitätsanforderungen für Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsprodukte
AQAP 2105Anforderungen an Qualitätspläne
AQAP 2070Konfigurationsmanagement
AQAP 4107Mutual Government Quality Assurance (gegenseitige staatliche Qualitätssicherung)

Die ersten drei sind für Unternehmen im Alltag am wichtigsten.

AQAP 2110: Was fordert die Norm für Entwicklung und Produktion?

Die AQAP 2110 ist die am häufigsten geforderte AQAP-Norm. Sie gilt für Unternehmen, die entwickeln, konstruieren, produzieren, montieren, prüfen oder instand setzen.

Grundlage ist die ISO 9001. Dazu kommen militärische Anforderungen:

→ umfassende Produktnachweise
→ verstärkte Risikobetrachtung
→ Konfigurationsmanagement
→ Rückverfolgbarkeit
→ Qualitätspläne
→ Einbindung der staatlichen Qualitätssicherung
→ verstärkte Lieferantenlenkung

Für viele mittelständische Fertigungsunternehmen ist die AQAP 2110 der Einstieg in die Verteidigungsindustrie.

AQAP 2210: Was gilt für die Softwareentwicklung?

Die AQAP 2210 richtet sich an Unternehmen, die Software entwickeln. Sie ergänzt die ISO 9001 um:

→ Softwareentwicklung
→ Versionsverwaltung
→ Änderungsmanagement
→ Testmanagement
→ Validierung und Verifizierung
→ Dokumentation des Entwicklungsprozesses

Bei sicherheitskritischen Anwendungen gilt: Jede Änderung wird dokumentiert. Nicht die wichtigen. Alle.

AQAP 2310: Luftfahrt, Raumfahrt und Verteidigung

Die AQAP 2310 wird überwiegend in der Luftfahrt- und Verteidigungsindustrie eingesetzt. Sie stellt besonders hohe Anforderungen an:

→ Produktsicherheit
→ Entwicklungsprozesse
→ Qualitätsplanung
→ Nachweisführung
→ technische Dokumentation
→ Freigaben
→ Risikoanalysen

Wer Bauteile für militärische Flugzeuge, Hubschrauber oder andere sicherheitskritische Systeme liefert, muss häufig genau diese Anforderungen erfüllen.

Was ist ein Qualitätsplan nach AQAP?

Der Qualitätsplan ist ein Kernelement vieler AQAP-Anforderungen. Er beschreibt für ein konkretes Projekt:

→ welche Prozesse angewendet werden
→ welche Prüfungen stattfinden
→ wer verantwortlich ist
→ welche Dokumente erstellt werden
→ welche Freigaben erforderlich sind
→ welche Risiken bestehen

Er dient als Nachweis gegenüber dem Auftraggeber und sorgt für Transparenz über die gesamte Projektlaufzeit.

Konfigurationsmanagement: Was geht über Dokumentenlenkung hinaus?

Dokumentenlenkung beantwortet die Frage: Ist das die gültige Fassung des Dokuments? Konfigurationsmanagement geht deutlich weiter: Ist das die gültige Fassung des Produkts, und wie ist sie zustande gekommen? Jederzeit muss eindeutig nachvollziehbar sein,

→ welche Produktversion aktuell gültig ist
→ welche Zeichnung verwendet wurde
→ welche Softwareversion installiert wurde
→ welche Stückliste gilt
→ welche Änderungen erfolgt sind
→ wann die Änderungen vorgenommen wurden
→ wer sie freigegeben hat

Bei militärischen Projekten, die über viele Jahre laufen, ist das unverzichtbar.

Government Quality Assurance (GQA): Wer prüft was?

Die staatliche Qualitätssicherung ist das Alleinstellungsmerkmal von AQAP. Je nach Vertrag kann eine Government Quality Assurance vorgesehen sein.

Dann überwachen staatliche Qualitätssicherungsstellen im Auftrag des Beschaffers, in Deutschland für die Bundeswehr das BAAINBw, ob die vertraglichen Qualitätsanforderungen eingehalten werden. Dabei können unter anderem

→ Fertigungsprozesse begleitet,
→ Dokumentationen geprüft,
→ Prüfungen beobachtet,
→ Abnahmen durchgeführt,
→ Qualitätsnachweise eingesehen werden.

Die GQA nimmt dem Auftragnehmer dabei nichts ab. Die Verantwortung für die Produktqualität bleibt vollständig bei ihm.

Welche Unternehmen profitieren von AQAP?

Viele Unternehmen richten ihr Qualitätsmanagement freiwillig an AQAP aus, ohne dazu verpflichtet zu sein. Das gilt vor allem für:

→ Zulieferer der Verteidigungsindustrie
→ Maschinenbauunternehmen
→ Metallverarbeitung und Präzisionsfertigung
→ Elektronikhersteller
→ Softwareunternehmen
→ Luft- und Raumfahrtzulieferer
→ Unternehmen mit sicherheitskritischen Produkten

Ein entsprechend aufgebautes Managementsystem erhöht die Chancen bei öffentlichen Ausschreibungen erheblich.

Warum lohnt sich eine frühzeitige Vorbereitung auf AQAP?

Viele Unternehmen fangen erst an, wenn der Auftrag schon auf dem Tisch liegt. Dann ist die Zeit knapp.

Das eigentliche Problem ist in dem Moment nicht die Norm. Sondern der Zeitpunkt.

Wer sein bestehendes Qualitätsmanagement nach ISO 9001 frühzeitig erweitert, kann Prozesse schrittweise anpassen, Mitarbeitende rechtzeitig schulen und Schwachstellen erkennen, bevor der Kunde sie findet. Häufig wirkt sich das auch außerhalb militärischer Projekte aus: auf Effizienz, Fehlervermeidung und Kundenzufriedenheit.

Im dritten Teil unserer Serie beantworten wir die häufigsten Fragen aus der Praxis.

Genau bei dieser Vorbereitung unterstützen wir Unternehmen. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihr QMS heute steht: Sprechen Sie uns an, das Erstgespräch ist kostenlos.

Häufig gestellte Fragen

Welche AQAP-Normen gibt es?
Die wichtigsten AQAP-Dokumente sind AQAP 2110 (Entwicklung, Konstruktion und Produktion), AQAP 2210 (softwarebezogene Produkte), AQAP 2310 (Luftfahrt-, Raumfahrt- und Verteidigungsprodukte), AQAP 2105 (Qualitätspläne), AQAP 2070 (Konfigurationsmanagement) und AQAP 4107 (gegenseitige staatliche Qualitätssicherung). Welche Anforderungen gelten, steht im jeweiligen Vertrag oder in der Ausschreibung.
Was ist die AQAP 2110?
Die AQAP 2110 ist die am häufigsten geforderte AQAP-Norm. Sie richtet sich an Unternehmen, die entwickeln, konstruieren, produzieren, montieren, prüfen oder instand setzen. Sie basiert unmittelbar auf der ISO 9001 und ergänzt sie um militärische Anforderungen wie umfassende Produktnachweise, Konfigurationsmanagement, Qualitätspläne und die Einbindung der staatlichen Qualitätssicherung.
Welche AQAP-Norm gilt für mein Unternehmen?
Die, die im Vertrag oder in der Ausschreibung steht. Als Orientierung: Fertigungs- und Entwicklungsunternehmen treffen meist auf die AQAP 2110, Softwareentwickler auf die AQAP 2210, Zulieferer für Luftfahrt, Raumfahrt und sicherheitskritische Systeme auf die AQAP 2310. Qualitätspläne und Konfigurationsmanagement kommen je nach Vertrag dazu.
Was ist ein Qualitätsplan nach AQAP?
Ein Qualitätsplan beschreibt projektbezogen, welche Prozesse angewendet werden, welche Prüfungen stattfinden, wer verantwortlich ist, welche Dokumente erstellt werden, welche Freigaben nötig sind und welche Risiken bestehen. Er dient als Nachweis gegenüber dem Auftraggeber und sorgt für Transparenz während des gesamten Projekts.
Was bedeutet Government Quality Assurance (GQA)?
Bei der Government Quality Assurance überwachen staatliche Qualitätssicherungsstellen im Auftrag des Beschaffers, ob die vertraglichen Qualitätsanforderungen eingehalten werden. Sie können Fertigungsprozesse begleiten, Dokumentationen prüfen, Prüfungen beobachten und Abnahmen durchführen. Die Verantwortung für die Produktqualität bleibt vollständig beim Auftragnehmer.

Haben Sie Fragen?

Unsere Experten beraten Sie gerne persönlich und unverbindlich zu allen Themen rund um Zertifizierung und Förderung.